Samstag, 22 Juli 2017 19:04

Lebensinspirationen durch Henry David Thoreau & „Walden“

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Eisenau huetteSchon in frühen Jahren war Henry David Thoreau mit seinen Klassikern „Walden“ und „Die Pflicht des Ungehorsam gegen den Staat“ eine großartige Inspirationsquelle für meinen Lebensweg. Schon damals weigerte ich mich der Pflicht des Militärdienstes nachzugehen und musste – wie es einst üblich war - vor einer Kommission beweisen, dass ich aus Prinzip Waffengewalt ablehne. Außerdem zog es mich immer wieder in die Einsamkeit zurück (siehe Foto); und diese Sehnsucht durfte ich in meinen späteren buddhistischen Mönchsjahren in vollem Maße auskosten. Übrigens liebte es Thoreau auch, sich in Hindu-Schriften wie die Bhagavad Gita zu vertiefen.

Zu seinem 200. Geburtstag möchte ich hier ein paar Zitate widergeben, in der Hoffnung, dass solch ein wunderbarer Mensch auch für die jetzige und künftige Generation ein Vorbild sein wird ...  gerade in Zeiten wo immer weniger hinterfragt wird und wir es verlernt haben mit uns und der Natur in respektvoller und stimmiger Harmonie zu leben.
Thoreau hatte zwar nicht das Glück gehabt Tage zu sein Leben hinzuzufügen, da er schon mit 45 Jahren an Tuberkulose verstarb; dafür füllte er seine Tage auf Erden mit Leben & Sinn.

„Es gab weniges, das Thoreau nicht beherrschte. Er konnte ein Haus bauen, ein Boot … oder ein Buch. Er war Landvermesser, Gelehrter, und er konnte fast alles mit ungewöhnlicher Genauigkeit tun.“ Robert Louis Stevenson

„Es aß kein Fleisch, trank keinen Wein, wusste nichts über Tabak, er hatte keinen Beruf, er heiratete nie, ging nie zur Kirche und nie zur Wahl, und lehnte es ab Steuern zu zahlen.“ Ralph Waldo Emerson

Aus „Walden“:
"Sollen wir denn immer trachten, mehr von solchen Dingen zu verlangen, statt einmal mit weniger zufrieden zu sein? (...) Ich will lieber einen Kürbis, den ich für mich allein habe, als gedrängt auf Samtkissen sitzen. (...) Je mehr ihr habt von derartigen Dingen, umso ärmer seid ihr."

"Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklich Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ging, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. (...) Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde."

"Die Leute sagen oft zu mir: 'Sie müssen sich doch einsam hier fühlen und besonders an Regen- und Schneetagen und in der Nacht wünschen, näher bei Menschen zu sein?!' Solchen fühle ich mich versucht zu antworten: (...) Warum sollte ich mich einsam fühlen? (...) Ich finde es gesund, die meiste Zeit allein zu sein. Gesellschaft, selbst mit den Besten, wirkt bald ermüdend und zerstreuend. Ich bin unendlich gerne alleine."

"Das eine wenigstens lernte ich bei meinem Experimente: Wenn jemand vertrauensvoll in der Richtung seiner Träume voranschreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben. (...) In dem Verhältnis, wie er sein Leben vereinfacht, werden die Gesetze des Weltalls weniger verwickelt erscheinen, und Einsamkeit wird nicht Einsamkeit, Armut nicht Armut, Schwäche nicht Schwäche sein."

"Unsere Erfindungen sind gewöhnlich hübsche Spielsachen, die unsere Aufmerksamkeit von ernsten Dingen ablenken. (...) Wir beeilen uns stark, einen magnetischen Telegraphen zwischen Maine und Texas zu konstruieren, aber Maine und Texas haben möglicherweise gar nichts Wichtiges miteinander zu besprechen. (...) Die Hauptsache besteht nicht darin, schnell, sondern vernünftig zu sprechen. (...) Wir beeilen uns, den Atlantischen Ozean zu durchkabeln, um die Alte Welt der Neuen um ein paar Wochen näher zu rücken; vielleicht aber lautet die erste Nachricht, die in das große amerikanische Schlappohr hineinrinnt: 'Prinzessin Adelaide hat Keuchhusten.'"

Aus „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“:
"Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert."  

"Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit."

"Könnte es nicht eine Regierung geben, in der nicht die Mehrheit über Falsch und Richtig befindet, sondern das Gewissen? […] Muss der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen."

Weitere Zitate:
„Gott sei Dank, dass die Menschen noch nicht fliegen können und den Himmel ebenso verschmutzen wie die Erde.

"Die meisten Menschen würden sich beleidigt fühlen, wenn ihnen eine Beschäftigung vorgeschlagen würde, Steine über eine Mauer zu werfen und sie dann wieder zurückzuwerfen, bloß um ihren Lohn damit zu verdienen. Aber viele werden in keiner würdigeren Weise beschäftigt."

"Die Wege, auf denen man Geld gewinnen kann, führen fast ausnahmslos abwärts. Wenn du etwas getan hast, wodurch du bloß Geld verdient hast, so bist du wahrlich faul oder noch schlimmer gewesen."

"Unsere Feinde sind in unserer Mitte und überall um uns... denn unser Feind ist die fast universelle Starrheit von Kopf und Herz, der Mangel an Vitalität im Menschen..."

"Wenn ein Mann die Hälfte eines Tages in den Wäldern aus Liebe zu ihnen umhergeht, so ist er in Gefahr, als Bummler angesehen zu werden; aber wenn er seinen ganzen Tag als Spekulant ausnützt, jene Wälder abschert und die Erde vor der Zeit kahl macht, so wird er als fleißiger und unternehmender Bürger geschätzt. Als wenn eine Gemeinde kein anderes Interesse an ihren Wäldern hätte, als sie abzuhauen!"

PS: Das Foto zeigt jene Almhütte, in der ich mich schon mit 18 Jahren hie und da in die Einsamkeit zurückzog. Mehr dazu unter „Glück durch Versäumnis

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