Sonntag, 11 Juni 2017 08:24

Die fünf Hindernisse der Meditation

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5 hindernisse titelfoto„In dem Moment des Zustimmens verwandelt sich eine Grenze zu einem Durchgang
und entfaltet ganz unerwartet essentielle Qualitäten.“ Richard Stiegler

Jeder der meditiert erlebt dabei unterschiedliche Hindernisse, und jeder hat seine eigene Art damit umzugehen. Lassen wir uns durch sie in die Knie zwingen, kämpfen wir hartnäckig dagegen oder sehen wir darin ein einzigartiges Tor zur Selbsterkenntnis? Hier ist die Kurzversion meines Artikels, der in der Oktober / November 2016 Ausgabe von Yoga Aktuell erschienen ist:

Wer sich bemüht, den gewohnten Alltagsgeist zu transzendieren und sich auf das unbekannte Abenteuer der Meditation einlassen will, wird dabei immer wieder mit unangenehmen, mentalen Phänomenen in Berührung kommen und liegt also an uns, diese Grenzen in Tore zu einer tieferen Bewusstseinserfahrung zu verwandeln.

Sinnliches Begehren
Auch wenn wir uns als rationale, erwachsene Menschen sehen - unser Geist benimmt sich manchmal immer noch so wie ein kleines, nörgelndes Kind, und unsere schnelllebige Überflussgesellschaft tut ihr Übriges, so dass wir Disziplin, Geduld und Langsamkeit wenig Beachtung schenken. Wenn unser Wille uns für eine bestimmte Zeit auf dem Meditationskissen „festnagelt“, dann lösen sich zwar unsere sinnlichen Gelüste nicht sofort auf, aber wir haben die Möglichkeit, sie mit einer inneren Distanz zu durchschauen.

Ablehnung
So wie einige Menschen im Leben eher damit beschäftigt sind, ihren Wünschen nachzulaufen, so sind andere mehr darauf fixiert, Unangenehmes abzuwehren, aufzulösen oder sich zumindest darüber aufzuregen... und in der Meditation ist es nicht anders. In einem meditativen Zustand können wir am ehesten die Tatsache erkennen, dass das Problem nicht die eigenen Schmerzen oder störende Umstände sind, sondern unsere innere Haltung. Weisheit, Liebe und Gelassenheit sind nicht nur bei einer formalen Meditationspraxis die besten Heilmittel, um mit diesem nervigen Hindernis umzugehen.

Trägheit
Trägheit steht aber nicht unbedingt mit dem vielleicht ungewohnten oder langweiligen Mediationsobjekt in Zusammenhang. Die Ursache kann auch eine unbewusste Reaktion des Geistes sein, um sich nicht mit unangenehmen, unterdrückten Themen konfrontieren zu müssen, die im meditativen Rahmen auftauchen können. Meist ist aber einfach nur Schlafmangel der Grund für eine schläfrige Mediation, bei der Körper und Geist die notwendige Erholung von Stress und Überaktivität nachholen. Moderne mentale Störungen wie „Time Compression Syndrom“ und „FOMO“ (Fear Of Missing Out) sind dafür verantwortlich, dass mittlerweile bei vielen Menschen die Lebensbatterie beunruhigend leer und die „Lebensmüdigkeit“ erschreckend groß ist.

Unruhe
Robert Adams hat einmal in einem Satsang gesagt: „Dein Geist (mind) ist eine Anhäufung von vergangenem Karma, vergangenen Gedanken und künftigen Sorgen. Daher solltest du dich nicht auf deinen Geist verlassen.“ Da Bewegung das Naturell des Geistes ist, hat der Buddha ihn mit einem Affen verglichen, der sich unermüdlich von einem Ast zum nächsten hangelt . . . und über diese Tatsache sollten wir uns gerade in der Meditation – im wahrsten Sinn des Wortes – nicht zu viele Gedanken machen.

Zweifel
In unserer Gesellschaft, wo fast alles analysiert und hinterfragt wird, fehlt oft das Vertrauen, dass Meditation, ein – wenn auch unscheinbares und unspektakuläres – Werkzeug ist, um mit sich und dem Augenblick in Harmonie zu kommen. Sogar viele Yogapraktizierende im Westen haben Zweifel, dass es neben Körper- und Atemübungen noch feinere Aspekte im Yoga gibt, die nach innen führen (Antaranga). Dr. Robert Svoboda, einer der herausragendsten Kenner indischer Philosophie, hat dieses Dilemma zwischen moderner Yoga-Gymnastik und Patanjalis ursprünglicher Idee so formuliert: “Im Yoga geht es heutzutage ausschließlich um große Bewegungen, aber Patanjali ging es um kleine Bewegungen; denn er betonte, dass im Yoga die Aufmerksamkeit nicht in die äußere Welt (pravritti) gelenkt wird, sondern nach innen (nivritti).“

Der Sufi-Mystiker Rumi hat einmal den Umgang mit Gefühlsstimmungen einmal so beschrieb: „Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus. Freude, Kummer und Niedertracht - auch ein kurzer Moment der Achtsamkeit kommt als unverhoffter Besucher. Begrüße und bewirte sie alle! Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist, die gewaltsam alle Möbel aus deinem Haus fegt, erweise dennoch jedem Gast die Ehre. Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit - begegne ihnen lachend an der Tür und lade sie zu dir ein. Sei dankbar für jeden, der kommt, denn alle sind dir zur Führung geschickt worden aus einer anderen Welt.“

Der vollständige Artikel als Pdf: "Die fünf Hindernisse der Meditation"

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